Er wird zukünftig die Kinder im neu eröffneten Childhood-Haus Leipzig medizinisch untersuchen:
Dr. Matthias Bernhard ist ärztlicher Leiter der Interdisziplinären Kinderschutzgruppe des Departments für Frauen- und Kindermedizin und Oberarzt der Neupädiatrie der Unikinderklinik in Leipzig.

Im Frühling 2018 haben wir ihm zum Childhood-Haus bereits ein paar Fragen gestellt.

Sie kommen in Ihrem Beruf sicherlich häufiger mit Fällen von sexuellem Kindesmissbrauch in Berührung. Was sind für Sie (aus medizinischer Sicht) die Vorteile eines Childhood-Hauses für die betroffenen Kinder?

Dr. Bernhard:
Wir werden mit dem Childhood-Haus eine Einrichtung haben, mit dem wir erstmalig in Leipzig in
einem Raum alle notwendigen medizinischen Untersuchungen konzertiert und kindgerecht
durchführen können, die ein missbrauchtes oder misshandeltes Kind benötigt, wie z.B. kinderärztliche,
kinderchirurgische, gynäkologische und rechtsmedizinische Untersuchungen, aber auch Ultraschall,
Blutentnahmen und Notfallversorgungen. Die Untersuchungen werden damit schneller und effizienter
ablaufen, für das Kind wird es erheblich angenehmer und weniger traumatisierend sein, für viele
Untersuchungen im gleichen, kindgerecht gestalteten und eingerichteten Raum bleiben zu können.
Bisher einmalig in Deutschland wird der Videovernehmungsraum sein, in dem polizeiliche und
richterliche Vernehmungen sowie psychologische Explorationen der betroffenen Kinder stattfinden
werden.

Nehmen wir an Herbst 2018: Das Childhood-Haus ist eröffnet worden. Was bedeutet das konkret für Ihre Arbeit in der Notaufnahme. Wird ein Kind, das möglicherweise sexuell missbraucht wurde, zu Ihnen geschickt – oder direkt zum Childhood-Haus?

Dr. Bernhard:
Es wird, abhängig von der Situation und der Uhrzeit, verschiedene Szenarien geben. Akut und schwer
misshandelte und missbrauchte Kinder müssen auch jetzt schon in der Regel stationär aufgenommen
werden, brauchen leider teilweise sogar eine intensivmedizinische Behandlung. In vielen Fällen wird es
aber nach der Eröffnung des Childhood-Hauses so sein, dass über Eltern, den Kinderarzt oder andere
Ärzte, das Jugendamt, Lehrer, Erzieher oder auch die Betroffenen selbst unsere
Kinderschutzkoordinatorin informiert wird. Sie wird dann die verschiedenen Fachdisziplinen
koordinieren und einen – abhängig von der Gegebenheit – sofortigen oder zeitnahen Termin für die
Untersuchungen und Gespräche vereinbaren.