Luca im Childhood-Haus

Eine Beispielgeschichte

 

Luca ist 7 Jahre alt und turnt in einem Verein. Bei einem Vereinsabend erklärt der Vereinsvorstand, dass der Trainer von Luca in Verdacht steht, ein Kind sexuell missbraucht zu haben. Die Eltern von Luca sind verunsichert und wissen nicht, was sie tun sollen. Sie wenden sich an das Childhood-Haus. Die Koordinatorin Karin lädt die Eltern zu einem Gespräch in das Childhood-Haus ein. Luca bleibt solange bei seiner Oma.

Besuch im Childhood-Haus

Nach dem Beratungsgespräch entscheiden sich die Eltern dazu bei der Polizei Anzeige gegen den Trainer zu stellen. Die Eltern und Luca besuchen gemeinsam das Childhood-Haus und werden dort von Karin empfangen. Sie zeigt Luca alle Räumlichkeiten und die beiden lernen sich ein wenig kennen.

Wenig später kommt Herr Krüger, der Polizist, welcher die polizeiliche Vernehmung durchführt, in das Childhood-Haus. Karin stellt ihm Luca vor und erklärt ihm, dass Herr Krüger ihm gleich ein paar Fragen stellen wird. Die Befragung findet im kinderfreundlichen Videovernehmungszimmer statt. Die Eltern warten solange im Wartebereich. Karin ist die gesamte Zeit im Nachbarzimmer für den Fall, dass Luca Unterstützung braucht. Sie verfolgt die Befragung über einen Bildschirm. Herr Krüger ist geschult in der Befragung von Kindern, die Gewalt oder sexuellen Missbrauch erlebt haben. Er stellt Luca Fragen, die Rückschlüsse auf mögliche sexuelle Übergriffe zulassen. Die Befragung wird aufgezeichnet und dokumentiert. Karin steht den Eltern für Fragen, z.B. zum Umgang mit ihrem Sohn oder eine Stabilisierung von Luca in der kommenden Zeit, zur Verfügung.

„Was ist genau passiert?“

Im weiteren Verlauf kommt es zu einem Strafverfahren. Im Rahmen des Verfahrens wird Luca von einer geschulten Richterin befragt. Anders als früher muss Luca dafür nicht mehr in den Gerichtssaal, sondern die Richterin kommt in das Childhood-Haus. Karin nimmt Luca am Tag der Befragung in Empfang. Die Eltern und sie haben sich in den vergangenen Wochen häufig ausgetauscht und versucht, Luca größtmögliche Unterstützung zu geben. Karin stellt Luca die Richterin Schmidt vor. Diese erklärt ihm, dass sie ihm noch ein paar Fragen stellen muss. Gemeinsam gehen sie in das Befragungszimmer, dass Luca bereits vom letzten Besuch kennt. Die anderen Verfahrensbeteiligten (z.B. die Staatsanwaltschaft, die Verteidigung usw.) befinden sich in einem Nebenraum und stellen ihre Fragen über ein Tablet an die Richterin Schmidt, die diese an Luca weitergibt. Richterin Schmidt hatte Luca bereits zu Beginn der Befragung erklärt, dass im Nachbarzimmer Menschen sitzen, die das Gespräch verfolgen und auch Fragen an ihn haben. Nach Ende des Gesprächs darf er mit seinen Eltern nach Hause gehen. Er verabschiedet sich von Karin, da es erst einmal sein letzter Besuch im Childhood-Haus war. Da die Befragungen mit dem Polizisten, Herr Krüger, sowie die richterliche Vernehmung von Richterin Schmidt, auf Video aufgezeichnet sind, muss er nicht mehr vor Gericht aussagen. Der Richterin und der Verteidigung reicht das Videomaterial.

Luca hat es geschafft!

Karin wird auch weiterhin für Fragen zu stehen. Da Luca in einem etwas weiter entfernten Dorf wohnt, wird er die psychotherapeutischen Angebote des Childhood-Hauses nicht nutzen, sondern – wenn nötig – zu einem nahegelegenen Therapeuten gehen. Am Ende des Prozesses wird der Beschuldigte verurteilt.

 

Dieser vereinfachte Einzelfall soll als Beispiel für die Begleitung von Kindern im Childhood-Haus dienen und kann von Kind zu Kind variieren.
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